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FLYNN TODD's

26. Juni 2018

Keine E-Books für 99 Cent!

Keine E-Books für 99 Cent!

Neulich fragte mich jemand, wieso ich meine E-Books nicht für 99 Cent anbiete, denn so ein E-Book hätte ja praktisch keinen Wert. Bei einem Taschenbuch könnte man den höheren Preis ja gerade noch verstehen, denn die Druckerei muss ja auch bezahlt werden - die werden ja nicht umsonst arbeiten.

Tief Luft holen, Faust in der Tasche ballen. Ausatmen. 

Warum ich meine E-Books nicht für 99 Cent verkaufe, kann ich dir sehr gern erklären, lieber Frank (Name geändert).

 

Die Arbeit und der Aufwand ein Buch zu schreiben ist bei dem E-Book und dem Taschenbuch vollkommen identisch. Ich schreibe fast ein ganzes Jahr an einem Roman. Und ich denke, dass ein ganzes Jahr Arbeit entsprechend honoriert werden sollte. Mir ist es dabei völlig egal, ob Stephen King einen höheren Bekanntheitsgrad an den Tag legt als Flynn Todd. Ich habe den gleichen Arbeitsaufwand wie Herr King - oder sollte meine Arbeit weniger Wert sein, weil meine Bücher nicht sonderlich bekannt sind? Ein ganz klares Nein. Ich arbeite - ich will bezahlt werden - ganz einfach.

 

Reden wir doch mal von Preisen. Schreibe ich einen Roman (ca 50.000 Wörter), lege ich in der Vorproduktion - also die Kosten, die entstehen, bevor auch nur ein einziges Buch gedruckt wird - ungefähr 2500 Euronen auf den Tisch. Lektorat, Korrektorat und Illustration fressen natürlich den größten Teil.

Eine paar tausender reichen nicht aus, um das Werk ins Englische zu übersetzen  (wenn man sich die besten Leute dafür holt, was ich getan habe). Eine Novelle mit beispielsweise 17.500 Wörter liegt bei knapp 1.000.- Euro. Würde ich dieses für 99 Cent als eBook anbieten, müsste ich davon etwa 330 Stück verkaufen. Dann bin ich immer noch nicht über die Gewinnzone hinaus. Aber das ist noch längst nicht alles. 

 

Wer weiß schon, wie eine Uniform der Waffen-SS riecht, wenn sie nass ist? Wie trägt sie sich? Wie sitzt sie? Was fühlt man, wenn man in solch eine Uniform schlüpft und sich selbst im Spiegel betrachtet? Informationen, die sicherlich nicht in jedem x-beliebigen Buch zu finden sind. Ich habe es herausgefunden und in einem Abenteuer der Blackfin Boys niedergeschrieben. An diese Infos zu gelangen war mit erheblichem Aufwand verbunden. An dieser Stelle bedanke ich mich bei Ute Kanter vom Studio Babelsberg für die freundliche und umfangreiche Unterstützung.

 

Die Blackfin Boys fahren in einem U-Boot von Haifa nach Venedig. Die Route muss errechnet werden, und das ganze unter den Umständen des 2. Weltkrieges. Kraftstoffverbrauch, Geschwindigkeit, wieviel Risiko besteht wenn diese eine Route befahren wird? Mit welchen Angriffen muss man rechnen? Da muss wieder recherchiert werden. Sowas steht nicht im Internet. Also muss man einen absoluten Experten in Sachen U-Boot und 2. Weltkrieg finden. Den habe ich gefunden. Vielen lieben Dank, Kai Steenbuck, vom Deutschen U-Boot Museum.

 

Was waren die Schlagzeilen der Nazi-Zeitung Völkischer Beobachter im Februar 1942? Es war Herr Hermann Liebherr (Bayerische Staatsbibliothek), der mir mit bestem Fachwissen und Mikrofilmen zur Seite stand.

 

Die BF-Boys müssen eine Route von Kalifornien nach Peru zurücklegen - mit dem Schiff. Eine Route, die die AIDA überhaupt nicht fährt - für mich aber extra berechnet wurde. Vielen Dank, liebes AIDA-Team (Customer Service).

 

Notwehr: Einer der Protagonisten ist für einen Mord verantwortlich. Wichtig hierbei ist, diese Tat als wasserdichte Notwehr geschehen zu lassen. Oberstaatsanwalt Dieter Kochheim stand mir beratend zur Seite. Besten Dank!

 

Alle Infos zum Thema Fortbewegungsmittel auf Schienen erhielt ich von Markus Weisbrod vom DB Museum Nürnberg. Auch hierfür besten Dank!

In meiner Dankesliste habe ich alle aufgeführt, die an den Manuskripten der Blackfin Boys mitgeholfen haben.

 

Die Liste ist noch lange nicht zu Ende. Es macht eben Arbeit und ist zeitintensiv, aber es macht total den unersetzbaren Fun! Aber das alles für 99 Cent? Garantiert nicht! Jedenfalls nicht, wenn es um einen Roman geht. Für eine Novelle, die weniger als 100 Seiten kann man den Preis von 0,99 Euro für eine gewisse Zeit ansetzen, z.B. für eine Werbeaktion - aber auch bei einer Novelle (bis 17.500 Wörter) sollte der Preis nicht günstiger sein als eine Brezel am Bahnhof.

 

Übrigens, schön, dass du an die Druckerei denkst - die ja auch bezahlt werden muss, wie du bereits festgestellt hast. Mir steht dieses Privileg anscheinend nicht zu - nach deiner Meinung.

 

Ich meine, wer arbeitet schon für nix und doppel-nix? Ich mit Sicherheit nicht.

Eine mp3 kostet in der Regel 1,29 Euro und läuft durchschnittlich drei Minuten. Es wird bezahlt ohne zu murren. Ein neues iPhone muss her, 1000.- Euro, wird bezahlt ohne zu murren. Dann aber rumzuheulen wenn ein eBook, an dem der Autor viele Monate arbeitet, sieben oder acht Euro kostet? Hier stimmt doch was nicht!

Besonders Aussagen wie "Das eBook hat ja keine Produktionskosten..., bei einem Taschenbuch ist der hohe preis ja o.k." machen mir viel Freude, im sarkastischen Sinne. Woher zum Teufel wollen die Urheber dieses Schwachsinns wissen, wieviel der Autor an dem Taschenbuch verdient? Geschweige denn am eBook?

Die Sache ist ganz einfach. Durch den Verkauf von eBooks haben die Autoren die Gelegenheit, ein paar Euro zu verdienen und für ihre Arbeit entlohnt zu werden. Bei einem Taschenbuch gibt es eben keine paar Euro. Das funktioniert aber nur, wenn die eBooks nicht für nur 3,49 Euro verkauft werden.

Lohnt sich denn die Arbeit als Autor? Neulich schrieb mir eine junge Mutter, ihr 13jähriger Sohn hätte zum ersten Mal in seinem Leben ein Buch freiwillig gelesen. Dass es sich dabei um einen Band der Blackfin Boys handelte, ist natürlich ein schönes Gefühl. Also: Ja, es lohnt sich!